ZUKUNFT LERNEN: Strategischer Beitrag der KEBÖ zur Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung
Mit dem Papier „Zukunft Lernen“ setzt die KEBÖ ein kraftvolles Zeichen für die Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung in Österreich. Unter dem Vorsitz des VÖV entstand 2026 in einem breit partizipativen Prozess ein Papier, das die Stimmen der Praxis bündelt: Akteur:innen aus ganz Österreich steuerten ihr Feedback bei und unterstreichen so die gemeinsame Verantwortung für den Sektor. In der Klausur des Kooperativen Systems der Erwachsenenbildung im Mai 2026 vom Vorstand verabschiedet, liefert das Dokument einen profunden und abgestimmten Beitrag zur geplanten nationalen LLL-Strategie.
Inhaltlich rückt es zentrale Zukunftsthemen in den Fokus: den Ausbau von Basisbildung und digitalen Kompetenzen, die Stärkung von Teilhabe und Demokratiebildung sowie die Rolle der Erwachsenenbildung in gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Zugleich unterstreicht das Papier die Bedeutung stabiler Rahmenbedingungen, nachhaltiger Finanzierung und eines starken kooperativen Systems als Grundlage für eine leistungsfähige Erwachsenenbildungslandschaft.
Mit diesem strategischen Impuls positioniert sich die KEBÖ als zentrale Partnerin für die Weiterentwicklung des lebensbegleitenden Lernens in Österreich.
Manifest der KEBÖ
Das Manifest der KEBÖ, präsentiert bei der Jahrestagung 2015 in der Wiener Urania, unterstreicht die zentrale Rolle der Erwachsenenbildung für die Bewältigung gegenwärtiger und zukünftiger Herausforderungen.
Die KEBÖ betont: Erwachsenenbildung fördert Demokratieentwicklung, persönliche Entfaltung, sozialen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stabilität. Sie ist ein unverzichtbarer Baustein für den aktiven Umgang mit gesellschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen und wirtschaftlichen Aufgaben – und leistet bereits heute wichtige Beiträge, um diese Herausforderungen durch handlungsorientierte Bildung zu meistern.
Das Manifest skizziert ein flächendeckendes, vielfältiges Bildungsangebot, das allen Menschen in allen Lebensphasen zugänglich ist: von Basisbildung und Zweitem Bildungsweg über politische Bildung und Demokratieförderung bis hin zu Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Integration. Besonders betont werden die Bekämpfung von Armut, die Förderung von Chancengleichheit und der Abbau von Vorurteilen.
Ein klares Statement: Erwachsenenbildung darf nicht dem Markt überlassen werden – sie braucht stabile öffentliche Finanzierung, um für alle zugänglich zu sein.
MEHR WERT – Forderungskatalog der KEBÖ
Mit „Erwachsenenbildung ist MEHR WERT“ erhebt die KEBÖ ihre Stimme – laut, klar und mit Nachdruck. 2001 unter dem Vorsitz des Rings Österreichischer Bildungswerke erarbeitet, unterstreicht der Katalog die europaweite Bedeutung lebensbegleitenden Lernens und fordert ein klares Bekenntnis der Bundesregierung: Erwachsenenbildung braucht mehr Wertschätzung, mehr Unterstützung und mehr Sichtbarkeit.
Die KEBÖ fordert:
- Jede:r bekommt eine zweite Bildungschance
- Freier Zugang zur Weiterbildung
- Kostenlose (Weiter-)Bildungsinformation und -beratung
- Bessere Koordination der Erwachsenenbildungspolitik
- Schwerpunktprogramme für Computer und Fremdsprachen
- Schwerpunktprogramme zur demokratiepolitischen Bildung
- Ausbau der wissenschaftlichen Forschung und Dokumentation der Erwachsenenbildung
Mit diesem Papier positioniert sich die KEBÖ als zentrale Stimme für die Weiterentwicklung des lebensbegleitenden Lernens in Österreich – und reagiert auf aktuelle Herausforderungen wie die Marginalisierung der Erwachsenenbildung trotz ihrer gesellschaftlichen Relevanz.
Grundsatzpapier
Die Grundsatzerklärung von 1994 definiert die KEBÖ als zentrale Plattform für die bundesweite Zusammenarbeit der im Erwachsenenbildungs-Förderungsgesetz verankerten Institutionen.
Die KEBÖ hat sich zum Ziel gesetzt,
- die Aussprache und Zusammenarbeit der Institutionen, vor allem in bildungspolitischen und pädagogischen Sachfragen, zu ermöglichen,
- die gemeinsamen Interessen der Erwachsenenbildung zu bündeln und nach außen zu vertreten,
- durch fachliche Stellungnahmen die bildungspolitische Diskussion zu bereichern und Grundlagenforschung voranzutreiben, um das bestehende Theoriedefizit zu überwinden.
- als kooperativer Partner öffentlicher Stellen – vor allem des Bundesministeriums – Projekte anzuregen und mitzugestalten, die die Erwachsenenbildung in Österreich stärken.
Mit dieser historischen Erklärung unterstreicht die KEBÖ ihre zentrale Rolle als Koordinationsstelle und positioniert sich als unverzichtbare Brücke zwischen Praxis, Politik und Wissenschaft.
Memorandum
Mit ihrem visionären Memorandum von 1994 unterstreicht die KEBÖ die wachsende Bedeutung der Erwachsenenbildung in einer sich rasant wandelnden Gesellschaft. Lebensbegleitendes Lernen ist darin kein bloßer Zusatz zur Erstausbildung, sondern ein zentraler Baustein für wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, kulturelle Vielfalt und demokratische Stabilität in Österreich.
Erwachsenenbildung will
- als lebensbegleitende Bildung ein kommunikatives Forum für Orientierung, Standortbestimmung und Wertfindung in einer komplexen und sich rasch ändernden Welt darstellen.
- den einzelnen selbstbestimmte Bildung durch freie Auswahl aus einem vielfältigen Bildungsangebot ermöglichen. Sie verknüpft Wissen mit Lebenserfahrung, ermöglicht Querverbindung zwischen Wissensgebieten und soll zu vernetztem Denken führen. Darüber hinaus erleichtert sie den Umgang mit Informationen und Medien.
- einen Beitrag zur Aufrechterhaltung Österreichs als attraktiver Wirtschaftsstandort leisten. Weiterbildung ist zunehmend Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Dabei geht es neben den ökonomischen auch um die immateriellen Grundlagen unserer Zukunft.
- im besonderen das Nachholen und das zunehmend unverzichtbare Aktualisieren von Qualifikationsschritten ermöglichen und dadurch individuelle Bildungschancen verbessern.
- darauf achten, dass berufliche Weiterbildung auch Ansprüchen der Persönlichkeit und der Mündigkeit der einzelnen gerecht wird und deren Partizipation an Zukunftsentscheidungen fördert.
- einen Beitrag zur Wahrung von gleichen Bildungschancen aller Bevölkerungsgruppen leisten. Primäre Aufgabe der Erwachsenenbildung ist dabei die Sorge dafür, dass die einzelnen Menschen in einer Gesellschaft permanenter Bildung und Qualifizierung Subjekte ihrer Lernprozesse bleiben oder werden.
- zur Weiterentwicklung der Demokratie im Sinne einer menschengerechten Gesellschaftsordnung beitragen und Entscheidungshilfe für ein eigenständiges und verantwortungsvolles Handeln des einzelnen sein. Sie ist auf eine intensivere Beteiligung an der demokratischen Gestaltung aller Lebensbereiche ausgerichtet.
- zur Befähigung aller Bevölkerungsgruppen beitragen, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzuhaben, die eigene Entwicklung und die Veränderung ihrer Umwelt bewusst wahrzunehmen und verantwortungsvoll mitzugestalten.
- Anregung zur Gestaltung tragfähiger zwischenmenschlicher Beziehungen bieten.
- zur weiteren Hebung der Lebensqualität des Individuums beitragen und einladen, über den Sinn der eigenen Existenz nachzudenken, um eine adäquate Lebensform zu finden.
- Kreativität fördern und die persönlichen Handlungsspielräume erweitern.
- die Teamfähigkeit des einzelnen verbessern und die Bildung von aktiven Gruppen fördern.
- sich vernachlässigten Gruppen zuwenden, Prozesse interkulturellen Lernens initiieren und zur Überwindung nationaler und gesellschaftlicher Vorurteile beitragen.
Mit diesem Dokument positioniert sich die KEBÖ als treibende Kraft für eine Erwachsenenbildung, die den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird – als unverzichtbarer Partner für Individuum, Wirtschaft und Gesellschaft.