Die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) ist ein zentraler Akteur in der österreichischen Bildungslandschaft. Als Zusammenschluss der zehn Erwachsenenbildungsverbände vertritt sie seit ihrer Gründung die Interessen einer lebendigen, gemeinnützigen und flächendeckenden Bildungsarbeit. Die KEBÖ steht für Autonomie, Vielfalt und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung – als unverzichtbarer Teil des gesamten Bildungssystems.
1972: Gründung als Plattform der Zusammenarbeit
Schon vor der offiziellen Gründung der KEBÖ gab es regelmäßige informelle Absprachen zwischen den Verbänden der Erwachsenenbildung.
Doch der Weg zu einer gemeinsamen Vertretung war erstmal steinig: 1971 wagten das Berufsförderungsinstitut und das Bundesministerium für Unterricht und Kunst einen ersten Vorstoß. Sie luden die Vertreter:innen von 14 Erwachsenenbildungsverbänden auf die Hungerburg nach Innsbruck ein – mit dem Ziel, einen Dachverband der Erwachsenenbildung zu gründen.
Doch der Widerstand war massiv: Wie die Bundesarbeitsgemeinschaft katholischer Erwachsenenbildung ihren Mitgliedern berichtete, protestierten einige Vertreter:innen vehement gegen die Idee, eine Tagung für einen „noch nicht existierenden Dachverband“ abzuhalten. Die Kritik war so massiv, dass das BFI die Tagung schließlich absagen musste. Die Idee einer gemeinsamen Vertretung blieb dennoch bestehen.



Erst mit der Bestellung von Hans Altenhuber als Leiter der Abteilung Erwachsenenbildung im Bundesministerium für Unterricht und Kunst erhielt die Idee neuen Schwung. Altenhuber, später als „Geburtshelfer der KEBÖ“ gefeiert, trieb die Gründung mit Entschlossenheit voran. Im Mai 1972 wurde die KEBÖ schließlich im Bundesheim für Erwachsenenbildung in Strobl – dem heutigen Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) – offiziell gegründet.
Die sieben Gründungsmitglieder – der Verband Österreichischer Volkshochschulen, der Ring Österreichischer Bildungswerke, die Arbeitsgemeinschaft der Bildungshäuser Österreichs, der Verband Österreichischer Volksbüchereien (heute Büchereiverband Österreichs), das Wirtschaftsförderungsinstitut, das Berufsförderungsinstitut und das Ländliche Fortbildungsinstitut – vereinte das Ziel, die Erwachsenenbildung in Österreich als eigenständigen, gleichberechtigten und unverzichtbaren Bereich des Bildungssystems zu etablieren.
1973: Rechtliche Anerkennung durch das Erwachsenenbildungs-Förderungsgesetz

Ein entscheidender Schritt folgte bereits ein Jahr später: Mit dem Erwachsenenbildungs-Förderungsgesetz erhielt die KEBÖ eine gesetzliche Grundlage und finanzielle Absicherung. Das Gesetz anerkannte die in der KEBÖ organisierten Verbände als gesamtösterreichische Einrichtungen der Erwachsenenbildung und stärkte damit ihre Position gegenüber dem Bundesministerium. Diese rechtliche Verankerung war ein wichtiger Meilenstein, um die Zusammenarbeit zwischen Staat und Erwachsenenbildung zu institutionalisieren.
Die KEBÖ entwickelte sich zu einer wichtigen Plattform für den Austausch in bildungspolitischen und pädagogischen Fragen. Sie bot den Verbänden die Möglichkeit, gemeinsame Anliegen zu bearbeiten und die Interessen der Erwachsenenbildung nach außen zu vertreten – immer unter Wahrung der Autonomie und Vielfalt der einzelnen Mitglieder.
So startete 1973 auch gleich die erste gemeinsame Werbekampagne der Erwachsenenbildungsverbände. Mit einem Budget von 6 Millionen Schilling wurden Plakate gedruckt, Inserate in Zeitungen platziert und Werbespots in Fernsehen, Radio und Kino geschaltet. Interessierte konnten per Kupon weitere Informationen anfordern – ein Novum für die gemeinsame Außenwirkung der Erwachsenenbildung.
Außerdem fanden jährlich Jahrestagungen statt, bei denen aktuelle Themen mit einem Fachpublikum diskutiert werden konnten.

1978: Expansion der KEBÖ – Neue Mitglieder
Ende der 1970er-Jahre erweitere sich die KEBÖ um drei weitere Verbände:
- Institutionen Katholischer Erwachsenenbildung (heute Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich)
- Volkswirtschaftliche Gesellschaft Österreich
- Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung
Damit stieg die Zahl der Mitglieder auf zehn Verbände, die bis heute das Rückgrat der KEBÖ bilden.
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1981: Kooperatives System der Erwachsenenbildung

Die Planung für ein kooperatives System der Erwachsenenbildung begann bereits 1980 unter der Federführung von Vizekanzler und Bundesminister Fred Sinowatz sowie Karl Dillinger, dem damaligen Leiter der Abteilung Erwachsenenbildung im Bundesministerium. Ihr zentrales Anliegen war es, die Zusammenarbeit von staatlichen und erwachsenenbildnerischen Einrichtungen zu stärken und gleichzeitig die Selbstständigkeit der einzelnen Verbände zu wahren. Im Mittelpunkt stand die gemeinsame Planung von Bildungsangeboten, wobei der Staat nicht nur als Geldgeber, sondern vor allem als strukturierende, koordinierende und innovativ treibende Kraft agieren sollte.
1981, bei der Gründung des Kooperativen Systems der Erwachsenenbildung, wurden folgende Ziele definiert:
- Sicherung bedarfsgerechter und bedürfnisorientierter Bildungsangebote
- Systematische Verbesserung der Organisationsstrukturen
- Optimierung der Personalsituation und Mitarbeiterqualifikation
- Weiterentwicklung von Inhalten und Methoden der Bildungsangebote
- Förderung sozialer und geografischer Chancengleichheit
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1986: Einführung der KEBÖ-Statistik
Seit 1986 erstellt die Projektgruppe „Statistik der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs“ eine umfassende Statistik der gemeinnützigen Erwachsenenbildungseinrichtungen. Diese Erhebung versammelt die wichtigsten institutionellen und leistungsbezogenen Kennzahlen der Erwachsenenbildung und bietet damit eine zentrale Datengrundlage für die Bildungslandschaft.
Die jährliche KEBÖ-Statistik umfasst dabei nicht nur leistungsbezogene Daten wie Kurs- und Teilnahmezahlen, sondern auch Informationen zur infrastrukturellen und personellen Ausstattung sowie Strukturmerkmale der Einrichtungen. Diese Daten dienen als wichtige Grundlage für bildungspolitische Entscheidungen und helfen, die Entwicklungen und Bedarfe der Erwachsenenbildung in Österreich präzise abzubilden.
Erfahren Sie hier mehr zur KEBÖ-Statistik.
1994: Grundsatzerklärung und Memorandum – Programmatische Weichenstellungen
In den 1990er-Jahren formulierte die KEBÖ ihre programmatischen Grundlagen. 1994 wurde die Grundsatzerklärung verabschiedet, in der die KEBÖ als „Arbeitsgemeinschaft der bundesweit agierenden Institutionen der Erwachsenenbildung“ definiert wurde. Als Plattform für ständige Aussprache und Zusammenarbeit sollte sie die gemeinsamen Interessen der Verbände nach außen vertreten – insbesondere, um die Verantwortung der Bildungspolitik für die Erwachsenenbildung zu unterstreichen und ihre wachsende Bedeutung im Gesamtbildungssystem zu dokumentieren.
Das Memorandum ging noch einen Schritt weiter: Es betonte die innovative Rolle der Erwachsenenbildung als Vermittlerin zwischen Schulbildung, Berufsausbildung und Universität, zwischen Wissenschaft, Kultur und Alltagswelt. Die KEBÖ forderte darin eine stärkere politische und finanzielle Unterstützung, um die Erwachsenenbildung als eigenständigen und wesentlichen Sektor des Bildungssystems zu etablieren. Das Dokument skizzierte Ziele, Leistungen und Herausforderungen – von der Chancengleichheit über die Anpassung an neue Technologien bis hin zur Förderung von Demokratie und Kreativität – und unterstrich damit den gesellschaftlichen und ökonomischen Wert lebensbegleitenden Lernens.
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2001: „Erwachsenenbildung ist MEHR WERT“ – Forderungen für die Zukunft
Mit dem Dokument „Erwachsenenbildung ist MEHR WERT“ setzte die KEBÖ ein weiteres programmatisches Zeichen. Die Erwachsenenbildung stehe aufgrund von Sparpaketen und einer zögerlichen Bildungspolitik vor der Frage von „Sein oder Nicht-Sein“, sagte Liese Prokop (RÖBW) bei der Pressekonferenz. Vor dem Hintergrund von Sparpaketen und einer zögerlichen Bildungspolitik betonte die KEBÖ die europaweite Bedeutung lebensbegleitenden Lernens.
Der Forderungskatalog formulierte konkrete Schritte, um die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen. Dazu zählten:
- Jede:r bekommt eine (zweite) Bildungschance
- Fairer Zugang zur Weiterbildung
- Schaffung einer österreichweit einheitlichen Individualförderung
- Ausbau regionaler Bildungszentren für Erwachsene
- Kostenlose (Weiter-)Bildungsinformation und -beratung für alle
- Bessere Koordination der Erwachsenenbildungspolitik
- Schwerpunktprogramme für Computer und Fremdsprachen
- Schwerpunktprogramme zur demokratischen Bildung
- Wissenschaft und Forschung
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2017: Medienpreise der Erwachsenenbildung

Die Medienpreise der Erwachsenenbildung sind ein lebendiges Beispiel für die kooperative Tradition der KEBÖ. Alles begann 1968, als der Verband Österreichischer Volkshochschulen, der Büchereiverband Österreichs und die Arbeitsgemeinschaft der Volksbildungsheime Österreichs den Fernsehpreis ins Leben riefen. Schon bei der zweiten Verleihung schlossen sich der Ring Österreichischer Bildungswerke und später die Volkswirtschaftliche Gesellschaft Österreich an – ein klares Zeichen dafür, dass die Medienpreise von Anfang an gemeinsam getragen wurden.
Ab 1993 übernahmen AG Bildungshäuser, Büchereiverband, WIFI und VÖV die Verantwortung für den Fernsehpreis, und 1998 kam mit dem Radiopreis ein weiterer Preis hinzu. Seit 2017 vergibt die KEBÖ beide Preise unter dem Namen „Medienpreise der Erwachsenenbildung“ und setzt bei den feierlichen Preisverleihungen ein Zeichen für die gelungene Zusammenarbeit der Verbände und der Medienlandschaft Österreichs.
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2025: Vereinsgründung – Ein neuer rechtlicher Rahmen
Nach über 50 Jahren als informelle Kooperation konstituierte sich die KEBÖ 2025 offiziell als eigenständiger Verein. Die Vereinsgründung fand – wie bereits die ursprüngliche Gründung 1972 – im bifeb in Strobl statt. Dieser Schritt markiert eine wichtige Entwicklung: Mit einer klaren rechtlichen Basis und definierten Aufgaben soll die KEBÖ künftig noch sichtbarer, professioneller und wirkungsmächtiger in der Bildungspolitik agieren können.
Die KEBÖ bleibt damit eine einzigartige Plattform für die Zusammenarbeit der Erwachsenenbildungsverbände. Sie steht weiterhin für Pluralismus, Autonomie und Gemeinnützigkeit – und setzt sich für eine starke, zukunftsfähige Erwachsenenbildung in Österreich ein.

2026: Zukunft lernen – strategischer Beitrag zur Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung
Mit dem Papier „Zukunft Lernen“ legte die KEBÖ im Mai 2026 einen umfassenden strategischen Beitrag zur Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung und des lebensbegleitenden Lernens in Österreich vor. Das Dokument entstand in einem breit angelegten Prozess, an dem Akteur*innen aus der gesamten Erwachsenenbildungslandschaft mitwirkten. Der intensive Austausch, insbesondere mit den Ländernetzwerken und den Expert:innen aus den Verbänden, unterstrich die starke fachliche Verankerung und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft des Sektors. Damit lieferte die KEBÖ zeitgerecht einen profunden und abgestimmten Beitrag zur geplanten Entwicklung einer neuen nationalen Strategie für lebensbegleitendes Lernen (LLL).
„Zukunft Lernen“ setzt klare Schwerpunkte:
- Ausbau von Basisbildung und digitalen Kompetenzen
- Stärkung von Teilhabe und Demokratiebildung
- Rolle der Erwachsenenbildung in gesellschaftlichen Transformationsprozessen
- Bedeutung stabiler Rahmenbedingungen, nachhaltiger Finanzierung und eines starken kooperativen Systems
Mit diesem strategischen Impuls positioniert sich die KEBÖ als zentrale Partnerin für die Weiterentwicklung des lebensbegleitenden Lernens in Österreich – und unterstreicht damit ihre gestaltende Rolle in einer sich wandelnden Bildungslandschaft.
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Zukunftsvisionen und Ausblick
Die KEBÖ hat sich über die Jahrzehnte nicht nur als Koordinationsplattform, sondern auch als Stimme der Erwachsenenbildung in der Öffentlichkeit etabliert. In ihren bildungspolitischen Positionen setzt sie sich für eine stärkere Verankerung der Erwachsenenbildung im Bildungssystem ein – als Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe, digitale Kompetenz und nachhaltige Entwicklung. Die Geschichte der KEBÖ ist eine Erfolgsgeschichte der Zusammenarbeit. Sie zeigt, wie durch gemeinsames Engagement und geteilte Visionen die Erwachsenenbildung in Österreich zu einem unverzichtbaren Baustein der Gesellschaft geworden ist.
Quellen:
- Altenhuber, H. (1991). Die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs. In Dienstleistung Erwachsenenbildung: Strukturen, Arbeitsweisen und Möglichkeiten (S. 33–41). Schriftenreihe des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, Band 8. Verlag G. Grasl.
- Bisovsky, G. (2019). Eine kurze Geschichte des „Volksbildungsoscars “. In G. Bisovsky (Hrsg.), 50 Jahre Fernsehpreis der Erwachsenenbildung, 15-18. Schriftenreihe des Verbandes Österreichischer Volkshochschulem, Band 14.
- Bundesgesetzblatt. (1973). Förderung der Erwachsenenbildung und des Volksbüchereiwesens aus Bundesmitteln. https://ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10009356
- Dvořák, J. (1991). Über die staatlichen Aufgaben im Bereich der Erwachsenenbildung: Nicht mehr oder weniger, sondern besserer Staat. In Dienstleistung Erwachsenenbildung: Strukturen, Arbeitsweisen und Möglichkeiten (S. 13–23). Schriftenreihe des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, Band 8.
- Ganglbauer, S. (2009). Die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreich. https://adulteducation.at/sites/default/files/files/Langversion-Die-Konferenz-der-Erwachsenenbildung-Oesterreichs-KEBOE.pdf
- Göhring, W. (1983). Bildung in Freiheit. Die Erwachsenenbildung in Österreich nach 1945. Europaverlag.
- Lenz, W. (2005). Porträt Weiterbildung Österreich. W. Bertelsmann Verlag.
Mehr zur historischen Entwicklung der Erwachsenenbildung in Österreich erfahren Sie in der KnowledgeBase Erwachsenenbildung.
Bildquellen:
- Bildung in Freiheit von Walter Göhring, 1983, S. 271 ↩︎
- ÖVH Ausgabe 86, September 1972 ↩︎
- Bildung in Freiheit von Walter Göhring, 1983, S. 291 ↩︎
- Wienbibliothek im Rathaus: Der gute Vorsatz ’73 ↩︎
- Bildung in Freiheit von Walter Göhring, 1983, S. 291 ↩︎